LandlerTanzverbotORF25Feb2011 http://www.youtube.com/watch?v=zaeiIjbZm2k

2011 02 17 FERNGUTACHTEN

2011 11 22 BESCHEID AUFHEBUNG VERBOT TANZKURS LANDLER

 

 

 

Mag. Hermann Fritz
Neudeggergasse 14
1080 Wien


An das
Amt der Oö. Landesregierung
Direktion Inneres und Kommunales
z.H. Klaus Stöger
Bahnhofplatz 1
4021 Linz 19. Aug. 2011


Betrifft: Stellungnahme zu dem Bescheid der Marktgemeinde Weitersfelden vom 01. Juli 2011. (verbotener Ländlertanzkurs) anlässlich der Berufung des Kulturvereins Backwood (siehe auch IKD(Pol)-051760/1-2011-Wa)


Als Magister der Musikethnologie mit der Spezialisierung auf Österreich und Schweiz und als Zeuge des verbotenen Kurses möchte ich zu dem vom Kulturverein Backwood veranstalteten und von Bürgermeister Hölzl untersagten Ländlertanzkurs in Harrachstal folgende Stellungnahme abgeben:
Ländler sind wegen ihrer schwierigen Schritt- und Figurenfolgen schwer zu erlernen. Bei einem Ländlertanzunterricht muss daher der Unterrichts- und Übungscharakter überwiegen, während der Unterhaltungscharakter ganz zurücktritt. Allein deshalb kann es sich bei einem Ländlertanzkurs nicht um eine der üblichen Tanzveranstaltungen handeln, bei denen die Unterhaltung oder der Musikgenuss im Vordergrund steht. Handelt es sich nicht um eine bereits zusammengeprobte Volkstanzgruppe, sondern um im Ländlertanz mehr oder weniger Unerfahrene, so bleibt für Unterhaltung umso weniger Raum. Das gilt für den Ländler im Allgemeinen und trifft auch im Besonderen auf den verbotenen Ländlertanzkurs in Harrachstal zu.
In der speziell oberösterreichischen Tradition diente der Ländler mehr der Repräsentation als der Unterhaltung. Burschengruppen (sog. Zechen, Ruden und Passen) wetteiferten mit möglichst kunstvollen Schritt- und Figurenfolgen, dazu kommt mehrstimmiger Gesang der Tänzer und in einigen Landschaften komplexes polyrhythmisches Händeklatschen. Bereits im 19. Jhdt erhielt der Ländler in Oö. diesen Repräsentationscharakter, womit der Tanzunterhaltungscharakter, den der Ländler um 1800 einmal gehabt haben mag, zurücktrat.
Beim Ländlertanz schwingt heute der Aspekt der Traditionspflege mit. Das Bewusstsein, die Tanzkunst seiner Vorväter zu kennen zu lernen, mag dazu beitragen, dass sich jemand heute dieser schwierigen Übung unterzieht.
Die Kursleitung des Ländlertanzkurses in Harrachstal war in kompetenter Hand: Kursleiter Fritz Posch kommt aus der heute noch lebendigen Tanztradition des Salzkammergutes. Als Ländlergeiger wurde ein Musikethnologe engagiert, der mehrere rhythmisch unterschiedliche regionale Ländlerstile beherrscht. Das war meine Wenigkeit. Ich wurde dadurch Zeuge der Vorgänge. Wegen des Verbotes durch den Bürgermeister wurde der Ländlertanzkurs kurzfristig an einen anderen Ort verlegt, was wegen der geringen Teilnehmerzahl leicht möglich war. Hauptinhalt war das Erlernen der grundlegenden Handfassungen (Einhand-, Zweihand- und Über-Kreuz-Fassung) und der damit durchführbaren Armfiguren des im Mühlviertel so genannten "Steirerlandlers".
In der über das Tanzkursverbot berichtenden Fernsehsendung "Konkret" gab der verantwortliche Bürgermeister zu, nicht Ländler tanzen zu können. Dem Verfasser der bei der Landesregierung eingeholten Stellungnahme, die dem Ländlertanzkurs einen vorwiegenden Tanzunterhaltungscharakter zuschreibt, fehlt offensichtlich die nötige Kenntnis sowohl des allgemeinen Charakters des Ländlertanzes als auch dessen, was die beim Ländlerkurs in Harrachstal anwesenden Zeugen darüber zu berichten haben. Solche aus Kenntnislosigkeit entstehende Fehlurteile sollten künftig vermieden werden. Ein Ländlertanzkurs ist einem Tai-Chi-Kurs oder einer Ballettprobe ähnlicher als einem Konzert oder einem Ball. Das gilt in fast ebenso hohem Maß für Volkstanzkurse überhaupt. Den für die Entscheidung Verantwortlichen sollte bewusst sein, dass hier ein Präzedenzfall vorliegt: Dürfen öffentlich angekündigte Volkstanzkurse künftig in gewöhnlichen, nicht dem Veranstaltungssicherheitsgesetz entsprechenden Räumen stattfinden?
Daher sollten für die Entscheidungsfindung Experten für Volkskultur zugezogen werden.
Als Literatur über den Ländler in Oberösterreich empfehle ich das wissenschaftliche Werk "Der Landler", verfasst von Volker Derschmidt und Walter Deutsch, in der Reihe Corpus Musicae Popularis Austriacae. (Der Kursleiter des Ländlertanzkurses in Harrachstal ist übrigens der Schwiegersohn eines der beiden Verfasser).
Mit freundlichen Grüßen,

Mag. Hermann Fritz

 


Die Damen und Herren des Gemeinderats inclusive Bgm Hölzl polieren schon die Tanzschuhe. DieDirektion Inneres und Kommunales der OÖ Landesreg flüstert uns zu, dass das Ferngutachten zur Untermauerung des Verbots in einen Holzofen gestopft und das Verbot aufgehoben worden ist. Details dazu auf www.backwood.at
Noch eine gute Nachricht: die Damen und Herren des SPÖVP Gemeinderats (GR) in 4272 Weitersfelden incl Bgm Hölzl beabsichtigen auf Anregung des HINTERWALD KulturVereins in Harrachsthal nun auch eine ökonomische Nutzung des neuerrichteten Amtspalastes. Zur Abdeckung der Baukosten von etwa 2,7 Mio Euro überlegen die Damen und Herren des GR ihre Privatimmobilien zu verkaufen, gemeinsam in das Amtsgebäude zu ziehen und dort als Commune zusammenzuleben. Ein couragiertes Projekt, das von kreditgebenden Banken leider skeptisch aufgenommen werden wird. Immerhin geht es um jährliche Zinszahlungen für Finanzschulden von mindestens € 38 308,00 und sonstige Zinsen von € 10 752,00 in einer Tausend-Seelen-Gemeinde.

 

BACKWOOD ASSOCIATION ist eine konservative kulturelle Initiative, die es schon längere Zeit gibt und die im Dorf Harrachsthal in der 1000 Seelen Gemeinde 4272 Weitersfelden aktiv ist. Physischer Ort der Aktivitäten ist eine ehemalige LKW Garage aus den 1950er Jahren und im Eigentum des Obmanns des Vereins BACKWOOD. Diese location besitzt ein eigenartiges, aus improvisatorischer Adaption resultierendes Flair: Holzdecke, Holzfussboden, gemauerter Ofen, wurmstichige Tische und Sessel, Tischherd, Kredenz, Mineralölfässer (leer) als Bar, kaputtes Klavier, Recycling-Beleuchtungskörper und diverses andere wiederverwertete Zeug. Es gibt keine Wasserleitung hinein und folglich auch keine Leitung heraus. Die Toilette steht unter einem nahen Apfelbaum denn es handelt sich um eine TROCKENTOILETTE. Eine Beschreibung dieser ökologischen Technik liefern Suchmaschinen oder auch www.backwood.at
Bürgermeister und Gemeinderat von 4272 Weitersfelden wiederum präsentieren sich modern, elegant, unternehmerisch. Inspiration für ihr Denken und Handel erhalten sie beim Anblick und Betreten des neuerrichteten Amtsgebäudes, das dem Stand der Technik entsprechend alle Feinheiten aufweist. Derart verwöhnt, haben die Damen und Herren des Gemeinderat (GR) keine Veranlassung, auch nur einen Fuß in die GARAGE DRUSHBA zu setzen. Der wiederholte Hinweis auf die Baukosten des Amtspalastes von € 2,7 Mio durch den Verein Backwood, finden Bgm und die Damen und Herren des GR entbehrlich.
Der innovativ veranlagte Bürgermeister wiederum kann den traurigen (Sub)Standard der GARAGE DRUSHBA nicht verantworten und beglückt den Verein mit einer kleinen Liste von konstruktiven Vorschlägen für Änderungen. Dies immer wieder mit BESCHEID. Der Verein ist prinzipiell mit den VerbesserungsVorschlägen ja einverstanden und stellt im GR den Antrag, die vom Bgm gewünschten baulichen Veränderungen zu finanzieren oder doch zumindest zu fördern. Der GR kommt nach Selbstreflexion zu der Erkenntnis, dass auf Grund des Bau des Amtspalastes kein Geld vorhanden ist. Kein Geld, dafür aber Schulden. An Kreditzinsen transferiert die unternehmerische Gemeindeführung an die 40.000,00 Euro Steuergeld in den Bankenkomplex (Bilanz 2010). Solcherart behördliches Unternehmertum hat den Begriff ABGANGS-GEMEINDEN entstehen lassen. 4272 Weitersfelden ist kein Einzelfall. Der Kulturverein BACKWOOD versucht in einem Unterfangen, den Abgang zu forcieren, den Abgang der Figuren dieses GR.